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Goethe in Tenever: Faust II für Jung und Alt - Eine Nachlese zu Faust II in OTe

"Jede Generation musste Faust auf`s Neue lesen und mit ihren eigenen Erfahrungen abgleichen. So haben auch wir in einer Zeit großer Veränderungen und Unsicherheiten zu dem alten Buch gegriffen und es mit unseren Mitteln auf die Bühne gebracht" hieß es. "Unsere Zauberformel des Faust II-Projektes hieß: Gemeinsamkeit, Fleiß, Geduld."
In seiner erfolgreichen und weit über Bremen hinaus hochgelobten Komposition "Faust II in OTE" baute er in der Teneveraner Hochhaussiedlung ein Utopia, in dem das scheinbar Unmögliche möglich wird.
"Goethe in OTe " ist vorbei, die Resonanz beim Publikum und in der Presse war riesig. Die Erinnerung daran lebt weiter im Stadtteil bei den Beteiligten und Schülern der GSO. Zur Produktionsentwicklung und - prozess ist ein Film in Arbeit von Eike Besuden (Radio Bremen). Er war auch anwesend bei der "Nachlese".

Mit Bilddokumenten und - materialien zum "schweren Fauststück" zeigte Karsten Gundermann in einem Längsschnitt durch die Geschichte die Wurzeln, die Inszenierungen und die Metamorphosen der Person Faust bis in die Neuzeit auf.
Vorlage für Goethe war das "Volksbuch" - zur Zeit der Bauernkriege und der Reformation entstanden - mit Volkssagen, Zauberformeln, Geschichten zu Teufelsbeschwörungen und Teufelspakten. Dr. Faust gab es wirklich; er lebte und lehrte zur Zeit der Reformen (geb. 1480 und gest. 1541) ; er soll ein kreativer Mensch gewesen sein, Alchimist und "mit dem Teufel im Bunde"; in ihm verdichten sich diese sagenumwobenen Erzählungen und machen ihn besonders in Krisen- und Umbruchzeiten, Zeitenbrüchen interessant, wie für Heinrich Heine ( Ballett, Uraufführung in Paris 1856) und Goethe, der zur Zeit der französischen Revolution lebte.
In der Zeit des Aufbruchs wurden Menschen freier, neugieriger, entdeckten das "ultra", dh. es wurde unaufhaltsamer, schneller, unglaublicher, waren in Eile, wollten schnelle Lösungen - alles Wünsche des Mephisto in Goethes Faust. "Banker, Manager, sie sind in Faust II ohne Geduld. Alle Themen der Forscher, der Wissenschaft, Philosophie seiner Zeit hat Goethe in Faust I und II verdichtet bis hin zur Entwicklung des Embryos "homunculus"im Erlmeier- Kolben, den Schülern heute eher als " Zombies" bekannt. Heute ist die Herstellung des Menschen aus der Retorte möglich.
“Geld und Gold" ist Thema im Faust - in der Inszenierung und Bühnengestaltung wird es zu "Klopapier" und die Frage "was ist wirklich wertvoll", muß neu gestellt werden:
Werte statt Wertpapiere, Reformen statt Revolution? „Sich selbst in Frage zu stellen und seinen Fortbestand zur Disposition zu stellen, ist das Wesen von Utopia". Die Aufnahme- und Einbürgerungsprozedur in dieses Utopia wird – postmodern – in regelmäßigem Abstand anläßlich seiner Einbürgerungsmaßnahmen dem Faust-Test ausgesetzt!

Erste Kupferstiche, Zeichnungen und Theatervorstellungen aus dem Jahr 1826 in galantem Stil, erste Fotos von 1876 in der Berliner Presse des "zum Nationalgut gewordenen Faust" lassen sich nicht frei vom Weltbild durch die Geschichte erklären: er wird mystischer, aggressiver.
Barlach, Max Pechstein (1932) setzten die Figur des Faust künstlerisch ins Bild, Max Reinhardt auf der Theaterbühne. "Um am deutschen Erbe anzuknüpfen" entstand Ende des Krieges ein Faustboom, nach dem Krieg eher ein Hang zur Versachlichung des Faust und mit Dali ein surrealistisches Bild des Mephistos.
"Ein politisches Gretchen wurde die Frau durch die 68-er Generation", die Bedeutung der Freiheit wurde 1989 herausgehoben; und 1995 kreierte Karl Lagerfeld eine Modenschau mit Claudia Schiffer als Fausts Gretchen, verfremdet - alles wird zur Ware und zum Massenkonsum.

Das Faustbild hat sich gewandelt, jede Zeit hat „Faust“ für sich entdeckt und wiederentdeckt.
Tenever als kinderreichster Stadtteil nahm diese Herausforderung an; Die Vision der Zukunft? Die Verbesserung der gesellschaftlichen Lage ist Herzensangelegenheit, die Jugend wird die Stadt neu mitgestalten: sozial, kulturell und international!

 
Goethe in Tenever Zwei Komponisten: Gundermann und Besuden Zuhörer Interessiertes Publikum
 
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