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8. Kul-Tour für TeneveranerInnen: Eine Tournee durch 80 Jahre europäische Kunstgeschichte und „Farbwelten“Stimmungsvolle Farbgegensätze in unglaublicher Intensität bei Hans Thoma, nebelverhangenes „ Parlament und Sonnenuntergang“ (London 1904) bei Monet, sensibel, emotional im Ductus; Flirren, die Buntheit der Handelsatmosphäre der Großstadt bei Max Liebermann im Werk „ Judengasse in Berlin“; reliefartig aufgetragene dicke reine Farbe erreicht eine Räumlichkeit und Tiefe und quirrlige Buntheit.
Die Gruppe erfuhr bei dem geführten Rundgang von der „abstrakten Farbigkeit, die am liebsten schreit“, mit strengen Konturen, wie sie die Brücke-Maler entwickelt haben. Sie erfuhren von Heckel, Kirchner, Karl Schmidt-Rotluff, die „sich in Dresden 1905, dann in Berlin um 1911 als Studenten zusammengetan haben, um gemeinsam zu leben, Gegenstände und Szenen zu erfahren, zu malen und – übersetzt in die heutige Sprache und Charakterisierung - um sich zu vermarkten“ . 1911 in Berlin erreichten sie vor dem 1. Weltkrieg große internationale Beachtung, reiche Sammler und Mäzene förderten sie. Eckig und kantig die Formen, schnell angelegte Figuren, das Wesentliche in „15 Minuten-Akten“ sichtbar zu machen, war Programm.
Eines der" Lieblingsbilder" der Ausstellung, die Teneveraner aussuchten und darüber sprachen, ist das Bild „Die Armen „ (1912) von Campendonk, ein nicht ganz so bekannter Brücke-Maler. "Das Bild überzeugt mich" sagte eine Teneveranerin, "es rüttelt auf, es läßt einen nicht los" die andere. "Das Bild schreit die Botschaft heraus: ändert diese Welt so wie sie ist, Armut, Krankhiet, hungernde Kinder". Das zeigt die rote Signalfarbe und verstärken die Formkompositio-nen, die an Komplexbilder z.B. von Heinrich Vogeler erinnern, wurde erklärt: Rot als Ausdrucksmittel von Liebe und Leben, aber auch Aggression und Widerstand.
"Stadt emporwachsend" von Paul KLee 1915 setzte Assoziationen an Tenever frei und hatte hohen "Wiedererkennungswert".
Dem Zeitgeist und der Erkenntnis entsprechend, dass die Welt so wie sie ist, eine gemachte und damit machbare Welt ist, sind die Bilder der Konstruktivisten: geometrisch, abstrakt mit reduzierten Formen. Die Botschaft ist die Reduktion auf das Wesentliche, ein ganz neuer Mensch soll "erfunden werden", neu definiert werden. Russische Maler wie Lissitzky und Malewitsch inspirierten die europäische Malerei, z.B. Piet Mondrian (1930). "Gerechtigkeit" wird Thema.
Klarheit der Farben, Ruhe, Konzentration dann in den Werken von Lucio Fontana und Yves Klein (1960), der die "reine Farbe" sucht und in seinem "Monochromen Blau" den Blick des Betrachters sucht. Das Bild entfaltet " eine Intensität die einen in Bann zieht" wie ein Teneveraner feststellt, "und auf der weißen Wand sowas wie ein Nachbild erzeugt, in der Farbe Gelb, irre !".
Ein Erlebnis für alle und die eine oder andere schaute noch ganz versunken vor "ihrem/ seinem Werk" und diskutierte noch eine ganze Weile über das Warum und Wie des eigenen " Lieblingsbildes".
Foto: Paul Klee, Stadt emporwachsend, 1915
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