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Kul-Tour für Teneveraner: Nachlese Faust II

"Ich lasse mich auf Kulturen aller Länder ein und jetzt hier in Deutschland in Tenever: die Kombination von Musik, Klassik und Moderne, Sprachrhythmus, Beleuchtung und Tanz war super. Ich habe zwar nicht viel verstanden von den inhaltlichen Zusammenhängen, aber es war eine Euphorie da und die message : Musik hat keine Grenzen" beschrieb Pa, Mitarbeiter in der Interkulturellen Werkstatt Tenever, "einfach super"!
"Das ist Kultur pur, die mich sehr berührt. Es gab viele Stars, gemeinsam in einem großen Projekt, einfach großartig !". "Die Bilder sprachen für sich und jeder konnte teilhaben, egal ob Faust II total verstanden wurde oder nicht, jeder konnte für sich einen Genuss haben, es war irgendwie offen"fasste eine Teilnehmerin zusammen. "Ein Gesamtkunstwerk wahrhaftig, denn auch das Ote - Zentrum, das Gebäude wurde mit drei Stockwerken einbezogen, dazu die Wolken über uns, die anfangs durchscheinende Sonne nach langen Regentagen, zwischen Hochhäusern, mitten in Tenever - eine Gesamtinszenierung und ein Durchscheinen von Ideen!
Die Sprechoper "Faust II " inspirierte, gab Anstöße, gefiel, wirkte, ließ unterschiedliche Ausprägungen von Kultur und unterschiedliche Rezeptionsmöglichkeiten zu.

Die lokale Ökonomie hatte teils großen Zuspruch gerade in den Probenzeiten und bei der Generalprobe, teilweise waren aber auch einige Geschäfte "blockiert" oder "der Kundenstamm blieb für eine Woche weg". Buslinien und Autofahrer mußten umgeleitet werden, für den einen oder anderen, der gewohnte Wege geht, ein Ärgernis.
Insgesamt haben 3500 Menschen die Sprechoper besucht, die Presse hat umfangreich und voller Lob berichtet, die Außenwirkung für Bremen und Tenever sehr positiv, die Innenwirkung gut, fand auch bei bildungs- und kulturfernen Bewohnern zögernde Resonanz.
Warum gerade so ein schweres Stück in Tenever aufgeführt wurde, warum kein leichteres, verständliches ? fragten Bewohner und auch Teilnehmer der Gesprächsrunde.
"Nein" sagt Karsten Gundermann überzeugt , "denn nur anspruchsvolles Denken bringt uns weiter".
" Das beste ist gerade gut genug für Tenever: das beste und größte unserer deutschen Literatur, das ist Faust II", ein hochschwelliges Angebot" erklärte er "J.W. von Goethes Faust II ist eines der schönsten , großartigsten und kostbarsten Bücher in deutscher Sprache und wir staunen, wie aktuell Goethes Faust ist: er ist voller Wünsche und Ziele, durcheilt atemlos alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. Faust betätigt sich als Finanzpolitiker, Medienexperte, das land stürzt in eine Krise, er umwirbt Helena, er häuft große Reichtümer an, doch stirbt einsam in seinem Palast. Goethes Kopf und Handzeichen auf dem Ote-Zentrum zeigt die Richtung: nicht übereiltes unsoziales Verhalten, sondern Zusammenhalt, Solidarität, Gemeinschaft und Liebe ist der Weg in die Zukunft."

"So haben sich die Schüler der GSO für das "Faust II" Projekt ein ganzes Jahr lang Zeit gelassen, die Texte gelesen, diskutiert, durchdrungen, die Originaltexte auswendig gelernt, die Szenen immer und immer wieder durchgespielt, wir haben die Aussprache trainiert, die Körperhaltung verbessert. Das alles war ein Prozess und wir haben das scheinbar Unmögliche möglich gemacht".

"Was hat das mit den Menschen und dem Stadtteil gemacht" fragte ein Teilnehmer der Kul-Tour-Runde. "Menschen, Schüler, Lehrer, Bewohner, Mitwirkende sind verändert worden". Den Prozesscharakter stellte Albert Schmitt heraus und beschrieb mit wie vielen Partnern zusammengearbeitet wurde: Paten aus dem Stadtgebiet, wie Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr, Künstler, Lehrer, Pfarrerin, Sparkassenangestellte, Profis der Theaterszene und Sponsoren. "So kann Schule auch sein, so kann Theater, so kann Kammerphilharmonie auch sein - sie sind hineingewachsen in den Stadtbezirk". Das ist Wissen und Gestaltung für morgen, dazu gehören nicht nur gute Zensuren, sondern auch Ansprüche. Es zeigt dass sich Mühe lohnt. "Es ist eine große Gemeinschaftsleistungdes Stadtteils, jede Leistung ist überwältigend positiv. Sensationell war die Disziplin. Alle sind sich sicher, die Schüler haben etwas für`s Leben gelernt. Wie hieß die Zauberformel des Faust II: Gemeinsamkeit, Fleiß Geduld", so wird auch heute Unmögliches möglich.

Herr Henning von der GSO erzählte "wir waren alle gleich verzaubert, die Schüler und wir Lehrer, die Türen standen weit offen für diesen Prozess. Faust erklärt, erzähl, fordert Aufmerksamkeit und hat etwas von science fiction mit eng verzahnten Fragen des Lebens. Generalstabsmäßige Plkäne waren erforderlich , alle wurden infiziert, und es klappte - es war wie ein Rockkonzert.

Das große Ereignis "Faust II", Sprechoper in Tenever am Ote - Zentrum ist jetzt vorbei, aber überall lebhaft im Gespräch: die Bewohner erzählen ihre Erlebnisse an den Spielplätzen während die Kinder herumturnen, schaukeln oder im Sand spielen; die Schüler der GSO sind noch berauscht von ihren Auftritten, rezitieren in Bahn und Bus Faust`sche Bruchstücke, strahlen wegen des Erfolges und der guten Presse; in den sozialen und kulturellen Einrichtungen kehrt etwas Ruhe ein, aber der Alltag beflügelt "mit Goethe

"Schade, dass es nicht öfter aufgeführt wird, schade, dass es vorbei ist, heisst es, aber es gibt Hoffnung: Eike Besuden hat alles festgehalten, ein Film wird in die Kinos kommen, Faust II in Tenever. (matu)

 
rege Diskussion zu Faust II Faust II inspiriert große Runde zu Faust II Faust II verstehen
 
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