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Ein Erlebnis für Teneveraner: die Kunsthalle Bremen

Während der professionellen Führung mit Rainer Kosulek, Kunsthalle, erfuhren die Teilnehmer aus Tenever einiges über die Arbeiten der europäischen Moderne - angefangen bei den Impressionisten wie Monet, Manet und Corinth, zu den Expressionisten (Brücke-Maler) bis hin zur aktuellen Kunst. Es wurde deutlich, wie schnell sich der Begriff der "Moderne" verändert bis zur Ungegenständlichkeit und Abstraktion.

Malten die Impressionisten mit Staffelei "draußen", in der freien Natur wie die Dinge sind, mit schnellen leichten Strichen, "für den kleinen Moment, wie das Licht auf die Oberfläche fällt" -so malten die Expressionisten das, was sie fühlen, was in ihnen ist. "Ein Künstler erlebt die Welt". er "malt aus dem Inneren heraus", wie die "Brücke"-Maler Schmitt-Rottluff, Pechstein. „Mir werden richtig die Augen geöffnet“, sagte eine Teilnehmerin mit Kopftuch.
Das teuerste Bild in der Kunsthalle "das Mohnfeld " von van Gogh beeindruckte, denn er "malt nicht was er sieht, er malt was er sich vorstellt und wie er fühlt".
"Kunst gibt nicht das sichtbare wieder, sondern er macht sichtbar" hieß es in Anlehnung an Paul Klee.
Das "Außen und Innen" machte die TeneveranerInnen bei dem Rundgang durch die Kunsthalle neugierig auf „ihr Lieblingsbild“.

Mit Hella Poppe, Senator für Bau und in der Projektgruppe Tenever ressortübergreifend im Quartiersmanagement - und Barbara Matuschewski, die das Projekt entwickelt hat, diskutierten die TeilnehmerInnen über ihre Wahrnehmungen.
Für mehrere BewohnerInnen war das Lieblingsbild „Die blaue Grotte“ von Caspar David Friedrich: vertraut das Motiv, fremd das Werk – eine Begegnung.
"Höhlen und Grotten und das besondere Blau, die besondere Stimmung, das erinnert mich an die salzhaltigen schimmernden Höhlen meiner Heimat. Die Künstler bei uns malen dort nach den Zeichen und Formen, die die Natur entwirft."
"Die Farben sind genau so. Das Blau ist romantisch, geheimnisvoll und regt die Phantasie an - das ist genauso im Bild ". "Hier ist etwas Geheimnisvolles, Zentrales und ganz viel Schöpfung zu spüren" entschlüsselten sie treffend dieses Landschaftsbild der deutschen Romantik.

Große Irritation rief der Raum mit dem, von einigen in Andacht betrachteten, "Christus am Kreuz", (Bartholomäus-Altar) und "Maria Himmelfahrt" , 1824 hervor. Denn er korrespondierte in demselben Raum mit dem Werk "Judith" von Jan Sanders von Henessen (Werkstatt 1549). Als "unverschämt" wurde diese Dialektik von praller erotischer Nacktheit und dahinsterbender, leidender Hingabe empfunden.
Entdeckt wurde auch von einer Bewohnerin Tenevers beim langsamen Durchwandern der Räume, dass es „keine lachenden, fröhlichen Menschen auf den Bildern gibt“.

Ein jugendlicher türkischer Teilnehmer führte die Teneveraner zu seiner "Entdeckung": an der Wand ein "abstraktes" Gemälde mit gelben, roten und blauen zerfließenden, verschwimmenden Farbschlieren, die sich in Kreisen um eine dunkle Mitte ziehen. Es wirkt abstrakt - erst dann, wenn das Bild, wie auch dargestellt, waagerecht liegt und ein zylindrischer Spiegel auf der durch ein schwarzes Quadrat bezeichneten Position steht und so die gemalten Formen gebündelt werden, erkennt man das Motiv: die Kreuzigung Christi mit Maria, Jüngern, Engeln und einer dramatischen Szenerie.Das ließ die jungen und erwachsenen Besucher nicht los.
" Anonym, holländisch, um 1640, Christus am Kreuz, Anamorphose " liest Melih vor und ist stolz auf seine Entdeckung.
(Anmerkung: „Anamorphose“ kommt aus dem griechischen "doppelgestaltig oder umgeformt". Der Begriff wird seit dem 17. Jh. für Bilder verwendet, die ein Motiv bis zur Unkenntlichkeit umformen und somit zwei Ansichten haben: eine scheinbar chaotische, unverständliche und eine klare und lesbare).

Diese "Spiegel - Anamorphose" veranschaulicht nicht nur optische Phänomene, sondern handelt auch von der Wirklichkeit der Malerei. "Sie zeigt, dass das Bild zunächst nur eine mit Farbe bekleckste Tafel ist. Erst in der Reflexion des Spiegels wird das Motiv erkennbar, doch dieses Bild ist der Schein. Damit werden die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem materiellen Bild, dem erzeugten Schein und der Realität sichtbar".

Vor allem aber wird die entscheidende Rolle des Betrachters sichtbar: erst durch seine aktive Teilnahme entsteht aus dem Chaos von Linien oder Farben das verständliche Bild.
"Erstaunlich, wirklich erstaunlich !"hieß es und mit vielen Anregungen ging die Besuchszeit zu Ende, die manch einer nutzte, sich einzelne Werke genauer anzusehen – sich mit Blicken darin zu versenken.

Inzwischen hatten neun Teneveraner Kinder mit Betreuerin selbst gemalt und stolz übergaben sie ihre "Werk-Mappe mit blauem Band" mit Blumen, Zeichen und Girlanden als Geschenk an die Projektgruppe Tenever.

Es ist ein Schritt mehr gelungen, TeneveranerInnen die Möglichkeit zu geben, an der Kultur in Bremen teilzuhaben, Kunst und Kultur zu entdecken, kennen zu lernen, zu genießen und anzueignen. Die Teilhabe an der Kultur auch für Hartz IV – Empfänger, für Migranten, Menschen die am Rande Bremens leben, zu ermöglichen, ist ein Ziel; Eintrittspreise, Fahrtkosten, Führung und den Dialog über Kunst und Kultur zu ermöglichen, sind weitere Ziele und ein Beitrag zur Integration und zum Verstehen anderer Blickwinkel und - welten. (matu)

















 
IN der Kunsthalle Bremen 1 Auf der Suche nach dem Lieblingsbild Spiegelanamorphose Sehen zuhören und begreifen Suchen und entdecken
 
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