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Von mutigen Bremerinnen, Sozialreformerinnen, Revolutionärinnen und Frauen mit aufrechtem Gang.

In der Knochenhauerstrasse, im Zentrum Bremens, hat die Bildhauerin Christa Baumgärtner Metta Cordes, geb. Behrens, genannt "Mudder Cordes", ein Denkmal gesetzt.
Die originelle Art wie diese Frau ihr Leben meisterte, verschaffte ihr in Bremen die größte Achtung und Popularität.
1815 geboren, lebte und arbeitete sie in der elterlichen Landwirtschaft bis sie mit 27 Jahren den Bremer Zigarrenmacher Cordes heiratete, 5 Kinder bekam und mit 40 Jahren Witwe wurde. Der Tod ihres Mannes stellte sie vor das existentielle Nichts, Sozialversicherungen, Witwenrente gab es nicht. Sie eröffnete einen mobilen "Grünkramladen", spannte sich selbst vor den Gemüsewagen und zog durch die Neustadt. Sie war eine Sensation; das Geschäft florierte und es kam zu dem Gespann ein Hund "Sultan" und ein Esel hinzu. 40 Jahre lang zog sie so "mit ihrem Fuhrunternehmen" durch Bremen bis sie 90jährig starb. Im Nachruf heißt es " sie ruht sich vom Leben voll harter Arbeit aus", ein Urenkel hat die Skulptur in Auftrag gegeben und der Stadt geschenkt. Bemerkenswert die Haltung der Figur Metta Cordes und Widmung "man geht mit aufrechtem Gang". Es ist ein Denkmal für sie und die vielen 100.000 Frauen, die in ähnlichen Situationen waren.
Wovon lebten Frauen früher? Waren sie erwerbstätig? Hatten sie eine Berufsausbildung ?
Der Rundgang führte in die Carl-Ronning Strasse zum "Frauenerwerbs- und Bildungsverein", der 1867 von Agnes Heineken gegründet wurde - ein Verein zur "Verbesserung der Frauenarbeit". Nähen, Krankenpflege, Kochen wurde dort gelehrt und gelernt. 12 Berufsschulen für Mädchen gründete Agnes Heineken bis 1933. Sie selbst kam aus einer wohlhabenden Bremer Familie, besuchte die private höhere Mädchenschule, studierte in Paris Sprachen. Sie setzte sich dann "für Soziale Reformen, Mädchenschulreform und das Frauenstimmrecht" ein. Sie wurde die erste weibliche Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft (1923 - 1930) und setze sich für die Einheitsschule, Stipendien für Hochschülerinnen und Fortbildung für arbeitslose Frauen und Mädchen ein. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten entlassen. Sie half verfolgten jüdischen Bürgern. In Kattenturm ist eine Strasse nach ihr benannt.

In der Katharinenstrasse stand seit dem 13. Jh. ein Männerkloster, der Legende nach benannt nach Katharina von Alexandrien, der Schutzpatronin der Lehrerinnen und Bibliothekarinnen. Real hat hier Ottilie Hoffmann (geb. 1835, gest. 1925) die erste alkoholfreie Gaststätte gegründet. "Ottilie Hoffmann stammte aus einem weltoffenen, diskutierfreudigen Elternhaus, das den revolutionären Ideen von 1848 "nicht abgeneigt gegenüberstand". Sie besuchte die höhere Mädchenschule. Bei einem Aufenthalt in England arbeitete Ottilie Hoffmann als Erzieherin im Hause der Lady Carlisle (heute wäre das Au pair), näherte sie sich der Sozialbewegung und deren Aktivitäten in der "Transperenzbewegung", die die Abkehr vom Alkohol als Ideen verbreitete. Ottilie Hofmann schloss sich als erste Frau dem Weltbund der abstinenten Frauen an, wurde Führerin der deutschen Abstinenzbewegung und in den Vorstand des Bundes Deutscher Frauenvereine gewählt. 1890 beim Aufbau der norddeutschen Gewerbe- und Industrieschau im Bürgerpark (heute Parkhotel) , bei dem die Arbeiter nur Bier und Branntwein zu trinken bekamen und oft Opfer von Unfällen wurden, setzte sie eine Kaffeeküche durch. Sie und ihre Helferinnen schenkten Kaffee für 5 Pfennig und Erbsensuppe für 10 Pfennig aus. 1991 war sie Mitbegründerin des Bremer Mäßigungsvereins, später Bremer Verein für alkoholfreie Speisehäuser, dann 1924 Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur. Bald gab es in 150 Städten Ortsgruppen, die alkoholfreie Kneipen und Speisehäuser betrieben.
Ottilie Hofmann war eine Sozialreformerin, denn Alkohol bedeutete oft den Ruin einer Familie, Gewalt gegen Frauen ging oft einher. Frauen ohne männliche Begleitung war es zudem nicht erlaubt in Gaststätten zu gehen, erst seit 20 bis 30 Jahren ist die Regelung aufgehoben.
Im 1. Weltkrieg hatten die Ottilie-Hofmann-Häuser eine wichtige Funktion bei der Versorgung von Armen und Arbeitslosen, es wurden danach neue Ideen verbreitet, Vorträge gehalten (das Cafè Ambiente an der Weser ist so ein Ottilie- Hofmann-Haus).Sie war Rednerin, verfasste Flugschriften, reichte Petitionen ein, hatte eine weltweite Korrespondenz.
Gegenüber dem Cafè Engel am Ostertorsteinweg ist ein Steindenkmal für sie aufgestellt.

Weiter ging die Gruppe zum Liebfrauenkirchhof, in dem ein revolutionärer Pastor Dulon für politische Wahlen mit Männern und Frauen eintrat und für die Rechte der Frauen. Marie Mindermann, geb. 1808, eine intelligente Frau, die schon als Kind Gedichte schrieb und anonym politische Schriften bis hin zum "Schreibverbot" mit 8 Tagen Gefängnis verfasste wie "Politik von der Kanzel" (1851) hörte ihm gebannt zu. Beflügelt durch ihn wandte sie sich gegen die Einschränkung der Pressefreiheit und des Versammlungsrechts und gegen die Demokratiefeindlichkeit des Bremer Senats. "Sie geißelte kirchlich fundiert, so gescheit wie satirisch, "Bremer Zustände". Solange die Bremer Obrigkeit glaubte, diese Schrift sei von einem männlichen Verfasser, wurde sie, bei aller Kritik, die man natürlich hatte, als "außerordentlich gescheit gerühmt".
Danach veröffentlichte sie viele Erzählungen unter dem Aspekt Existenzsicherung und wurde mit ihren lyrischen Texten und Novellen bekannt, anerkannt und wurde 1865 im Frankfurter Goethehaus geehrt, aber sie hatte den "radikalen Schwung verloren".

An den Bremer Stadtmusikanten kam die Kul-Tour - Gruppe nicht vorbei, ohne an den Bronzeläufen des Esels zu reiben und sich etwas zu wünschen, was "sicher in Erfüllung geht".
Für viele Teneveranerinnen war das neu und sie meinten, sie "würden in Zukunft sicher mit anderen Augen durch Bremen gehen".

Zu Füßen des Rolands zog das "Bildnis des Krüppels " die Aufmerksamkeit auf sich; ob Sage oder Wirklichkeit - um ihn und Gräfin Emma von Lesum, reich, fromm und großzügig, rankt sich folgende Geschichte: als einige Abgeordnete der bremischen Bürgerschaft sie um ein Stück Weideland baten, sagte sie ihnen sofort ein Stück von der Größe zu, das ein Mann an einem Tag umwandern könnte. Benno von Sachsen, ihr Neffe und Erbe, wählte einen armen Krüppel aus, der ohne Hilfe nicht gehen konnte. Er umkroch aber unter Aufbietung all seiner Kräfte auf seinen Händen eine riesige Fläche (heutige Bürgerweide, Bürgerpark), sodaß die Bremer am Abend eine riesiges Stück Weideland besaßen. Als Dank ließen sie das Bildnis des Krüppels zu Füßen des Rolands meißeln.
Ob Sage oder Wirklichkeit, entscheidend ist die Botschaft: Großzügigkeit siegt über Geiz, Habgier und Neid! In Bremen Nord hat übrigens die Künstlerin Christa Baumgärtner Gräfin Emma ein Denkmal gesetzt - eine" multikulturelle Frau" mit dem Titel "Sieg der Großzügigkeit".


Das Bremer Rathaus im Stil der Weserrenaissance von dem Architekten Lüder von Bentheim 1405 erbaut und 1612 erweitert, zeigt in der Mitte der Fassade "viele Frauen, nackt, sie reiten auf einem Fisch (Handel), eine hat den Bremer Schlüssel (Wahrzeichen Bremens) in der Hand, eine spielt auf der Laute, eine trägt einen Palmzweig als Symbol für den Frieden, Motive aus der bildenden Kunst und Literatur - es sind Allegorien für die Stadt." Ohne die Frauen, die Geschäfte im Haus tätigten, wäre die Wirtschaft im 17. Jh. nicht so erfolgreich gewesen, heißt es.

Vor dem Parlamentsgebäude verweilte die Gruppe länger und erfuhr, dass am 10. November 1918, dem Ende des 1.. Weltkrieges, das aktive Wahlrecht eingeführt wurde. "Dann war es vorher nur eine halbe Demokratie" ergänzte eine Bewohnerin Tenevers, ja ab 1919 war es dann eine "ganze Demokratie, zumal auch Frauen gewählt werden konnten".
Henriette Marie Verena Rodewald, Tochter einer erfolgreichen angesehenen Bremer Kaufmannsfamilie, hatte in Berlin studiert, promovierte als eine der ersten Frauen in Deutschland in Heidelberg, richtete mehrere Petitionen an den Senat und an die Bürgerschaft: sie "ersuchte nicht", sie "bat nicht", sie "forderte"Recht auf Arbeit, Recht auf Bildung, Frauenstimmrecht und nahm Stellung zum Gesundheitswesen.
Heute sind Frauen zu insgesamt 50 % in der Bürgerschaft, je nach Parteien unterschiedlich stark vertreten.

Einen besonderen Abschluss fand die Kul-Tour in der Böttgerstrasse im Paula Becker-Modersohn - Haus, das Ludwig Roselius (Kaffee Hag) mit den gesammelten Werken der Künstlerin der Öffentlichkeit 1927 übergeben hatte. Paula Becker Modersohn, einigen Teneveranerinnen als Künstlerin bekannt durch das "rollende Museum" der Kunsthalle in Tenever, lebte im Widerspruch zwischen dem Bedürfnis sich ganz der Kunst zu widmen und den bürgerlichen Vorstellungen ihrer Umgebung. Sie war sehr produktiv, schuf 580 Ölgemälde, 1060 Zeichnungen und 50 Selbstportraits. Es ging ihr nicht um die reine Selbstdarstellung, sondern sie "spielte mit dem Alter", jeder, mit jedem Lebensalter trägt jedes Lebensalter in sich. Ihr letztes Selbstportrait zeigt sie mit einer Rose - Symbol für neue Zweisamkeit. Mit 32 Jahren starb sie kurz nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde.
Mit verschiedenen Portraits der Künstlerin Paula und einem gespräch über starke Frauen damals und heute endete die Kul-Tour.
"Es lohnt sich wirklich immer zu kämpfen, auch heute" , meinte eine Teilnehmerin.

 
Rundgang Frauenstadtrundgang Stadtrundgang Bremer Stadtmusikanten
 
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