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Wie Staatsgäste empfangen.6. Kul-Tour für Teneveraner im Bremer Rathaus

Im Ambiente der Oberen Rathaushalle erzählte Frau Dr. Exner sehr kompetent und anschaulich von hanseatischen Traditionen, Kultur und Bräuchen. Die Schiffe im Mittelgang, das Bild des Wals, das Gestühl, die Wappen in den Fenstern, das Bild "Salomons Urteil" u.v.a. wurde erklärt; die Teneveraner erfuhren, dass von Anfang an die Nutzung für den Rat der Stadt 1405 - 1410 erbaut wurde - ein gotisches Gebäude. Die Skulpturen drinnen und draußen symbolisieren die Beziehung zu den kaiserlichen und bischöflichen Anfängen der Stadt. Zwei Jahrhunderte später wurde von dem Bremer Baumeister Lüder von Bentheim diese neue Weser-Renaissance-Fassade 1608 erbaut, die bis heute zu den schönsten der Welt gehört und zusammen mit dem Roland auf dem Marktplatz im Juli 2004 zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

Diese repräsentative Etage galt repräsentativen Zwecken, während die "Untere Rathaushalle" für das "Marktvolk" offen war. Die Schaffermahlzeit, der Neujahrsempfang, der Bremer Literaturpreis, der Solidaritätspreis und die Nacht der Jugend werden heute in der repräsentativen Etage veranstaltet und im Gegensatz zum damaligen musealen und elitären Denken, ist das ganze Rathaus heute "ein lebendiges, offenes Haus, zentral und aktiv - offen für alle."
Es finden Konzerte, Theater, Workshops, Kongresse statt und man kann den Festsaal und das "Kaminzimmer" mit echten Delfter Kacheln und einem interessanten Mix aus Bildern und Skulpturen mieten, wohlhabende Bürger nutzen das häufig. Im "Gobelinzimmer" kann man sich standesamtlich trauen lassen. "Ein Traum" sagte eine russische junge Frau aus Tenever.

Für hohen Staatsbesuch ist die "Güldenkammer" zugänglich, ein von Heinrich Vogeler als einmaliges Gesamtkunstwerk bis in`s Detail gestalteter Raum im Jugendstil, mit goldenen Tapeten und floralen Motiven. Die englische Königin, schwedische und afrikanische Könige und Michael Jackson wurden z. B. dort empfangen und haben gespeist.

"Wie Staatsgäste empfangen wurden wir von Anfang an und jetzt sind wir sogar hier", die Kul-Tour-Teilnehmer aus Tenever schwelgten richtig bei diesem Anblick und meinten "dass die zu leben wussten". Der Blick vom Balkon auf den Marktplatz erinnerte dann eher den ein oder anderen Werder Fan an die Fußball - Erfolge und "das Bad in der Menge".

Das Abschlussgespräch fand dann in gediegener Atmospäre - im Senatssaal - statt , bei dem eine Bewohnerin mit Freude und Esprit den Sitz des Bürgermeisters nahm, andere die der Senatorinnen und Senatoren besetzten.
"Das also ist das Zentrum der Macht" wurde wie ein "Aha-Erlebnis" festgestellt, Entscheidungen werden hier getroffen in den Senatssitzungen ein Mal pro Woche. Die Rangfolge und Reihung der bequemen Stühle geht nach dem Dienstalter der Senatoren. Der riesige Teppich mit den "Schlüsseln zu Welt" wurde in Indien hergestellt, "garantiert ohne Kinderarbeit", versicherte Frau Dr. Exner.
Kopfschüttelnd stellten einige Bewohner Tenevers fest "nur Männer sind hier abgebildet an den Wänden, zugeknöpft bis oben hin, Frauen nur wenig und dann nur als Beiwerk. Männer machen Politik und Frauen sind Schmuck - es wird Zeit, dass sich das ändert"!
Zwar genossen alle sichtlich die gediegene Atmosphäre, aber es wurde gefragt und daran gezweifelt, ob eine solche Umgebung die Wahrnehmungsfähigkeit für reale Dinge auch heute noch verzerrt, die Selbstzufriedenheit und Genugtuung Oberhand gewinnt und der Bezug zu den Menschen verloren geht. "Können sich die Herren und Damen Senatoren denn überhaupt vorstellen, wie es draußen in der Bevölkerung wirklich aussieht ?"

"Mehr Politik für die Menschen, mehr Geld direkt in die Quartiere" hieß es und
"Mehr Demokratie und mehr Beteiligung der Basis an Politik" war das Credo, es sollte doch überlegt werden, ob nicht mehr Menschen aus den Quartieren in das Rathaus kommen sollten und ihre Fragen, Probleme und neuen Ideen vortragen, anstatt dass Politiker ab und zu und besonders vor der Wahl sich in den Quartieren kurz sehen lassen zu Fototerminen.

Der abschließende Ausblick auf den Integrationsgipfel im September 2009, der z.Zt. im Rathaus mit Workshops und Vorträgen geplant wird, wird kein elitäres Treffen sein, sondern wird "in die Breite gestreut", da sind auch Teneveraner wieder herzlich willkommen, hieß es.

Wie sagte doch Goethe: " Welche Regierung die beste sei?
Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren". (matu)

 
Im Rathaus Obere Rathaushalle Güldenkammer Gespräch im Senatssaal
 
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