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TeneveranerInnen zu Besuch im Landgericht BremenOb im Amtsgericht - zu erreichen über die "Seufzerbrücke" - ob im Straf-, Finanz-, im Verwaltungs-, im Zivil-, Sozial- oder im Landgericht - alles ist hier im "Justizzentrum" unter einem Dach. Alles wird rationell abgearbeitet. Im Übrigen ist es ein Geschäft,wie jedes andere auch, mit besonderer Ausbildung, die zum Richter, zum Anwalt befähigt.
Die Justiz ist vorwiegend männlich, die Sprache im Gesetzbuch und die Rechtsprechung auch. Wenn z.B. ein Mann seine Frau umbringt, bekommt er 5 Jahre Knast, wenn eine Frau ihren Mann umbringt, bekommt sie 7,5 Jahre - heißt es - es wir unterstellt, dass Frauen "heimtückischer" sind als Männer. Das sorgte in der Gruppe für Diskussion, "denn tot ist tot". Ob sich bald etwas ändert?
Warum die Richte in schwarzen Roben oder Talaren auftreten, wurde gefragt; es wurde Kaiser Wilhelm zitiert, der von "schwarzen Zaubermänteln" gesprochen haben soll "damit man die Spitzbuben von weitem erkennen kann". In Bremen ist übrigens kein Robenzwang, erfuhr die Gruppe und dass z.Zt. 1400 Anwälte zugelassen sind.
Im Schwurgerichtssaal 218 werden die großen Verhandlungen, wie z.B. der spektakuläre Fall Kevin, behandelt, ein historischer Raum "mit dem Flair von Himmel und Hölle zugleich". Wo der polnische, junge Zwangsarbeiter Wallerjan Wrobel seinerzeit zum Tode verurteilt wurde, der aus Heimweh einen Schuppen angezündet hatte in der Hoffnung wieder nach Polen ausgewiesen zu werden; der Ort auch wo gegenwärtig der "Tatort" (Krimi) gedreht wird.
Zwar war der "Muff von tausend Jahren" noch in den Mauern zu spüren, wie es auf den "Sponti-Sprüchen" 1968 hieß, aber "unter den Talaren" ist doch inzwischen eine neue Generation von Richtern und Anwälten herangewachsen.
Gerichtsverhandlungen sind in Bremen öffentlich, jeder kann im Zuschauerbereich zuhören. Man wird feststellen, dass vieles anders ist als im Fernsehen bei "Richterin Salesch" oder "Richter Holm". "Einspruch" gibt es nicht am Bremer Gericht, vielmehr heißt es dann "Ich hätte da eine Frage".
Was in den Prozessen stattfindet, ist transparent und ist "Teil einer Gesellschaft, wo eben diese Dinge wie z.B. Raub, Drogendelikte, Mord, stattfinden".
Einige haben sich vorgenommen, an solchen öffentlichen Verhandlungen als Zuhörer teilzunehmen, "also nicht nur hingehen wenn es unbedingt sein muss, es ist vielmehr ein Stück der Normalität und Teil unserer Gesellschaft". (matu)
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