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Sendung von Spiegel-TV über Sanierung in Tenever stößt auf massive Kritik


Joachim Barloschky von der Projektgruppe Tenever zum Beispiel. "Das war unter aller Sau", schimpft der Mann, der sich gewählter auszudrücken beliebt, wenn sein Stadtteil fair behandelt wird. "Der Titel hieß `"Ein Vorstadtghetto wird saniert", und es wurde nicht ein einziges Mal eine sanierte Wohnung gezeigt" kritisierte er den "Boulevardjournalismus".

Nichts als Beschwerden hätten die Interviewten vorgebracht: "zehn Tage kein Klo, Gestank, Lärm! Alles nur Schmutz, Chaos, Alkohol!" und ähnlich wie im Fernsehkrimi vor einiger Zeit sei das Stadtbild verzerrt worden. "Es waren überhaupt keine Migranten zu sehen", wundert sich Joachim Barloschky. Am Morgen nach der Sendung hat er Protestmails bekommen. "Manche sagen, das kratzt uns nicht, was andere über uns denken, andere sind total sauer."

Was das Zusammenleben in Tenever bedeutet, wissen die Bewohner des Stadtteils am besten. Auf ihre gelebte Demokratie im Stadtteil sind sie stolz. "Über Tenever werden Doktorarbeiten geschrieben" sagt Joachim Barloschky, der andernorts Vorträge über Stadtumbau hält. "Wir sind ein Vorzeigemodell!"

Und dann das. Zum "Großstadt-Ghetto" sei Tenever verkommen, kündigt Spiegel-TV den Bericht an. "Wer konnte, zog weg. Wer blieb, gehört überwiegend zu den Verlierern der Gesellschaft". Die Sanierung wurde als Horrortrip beschrieben. Der "ohrenbetäubende Lärm und der alles überdeckende Staub" lasse die Hochhausbewohner verzweifeln. "Aber auch die Handwerker zeigen Nerven. Sie finden völlig verdreckte WCs und Küchen vor, und Menschen, die einfach die Tür nicht öffnen, wenn renoviert werden soll." Spiegel - TV Extra habe "diesen Sanierungsprozess im gesellschaftlichen Abseits über mehrere Wochen beobachtet."

"Das hat einfach weh getan", sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter über den Fernsehbericht. Er versucht den Schaden zu begrenzen und das zu tun, was die Reporter gelassen haben: Schlüter bemüht sich zu differenzieren. "das ist eine Realität, aber nur ein Teilbereich, es gibt auch andere Bereiche, wo Nachbarschaften funktionieren und es gibt Menschen, die ein ganz großes Herz haben und sich für andere einsetzen. wie im Mütterzentrum und in der Stadtteilgruppe".

Stattdessen seien ausschließlich Leute gefilmt worden, die massive Probleme haben, kritisiert Schlüter. Suchtprobleme aber gebe es nicht alleine in Hochhaussiedlungen. "In Oberneuland, in den Bungalows, wenn Sie da reinschauen, würden Sie auch Menschen sehen, die Tabletten nehmen oder Jack Daniels trinken".

Der Eindruck, der sich Joachim Barloschky aufdrängte: ""Eigentlich lohnt es sich nicht, das zu sanieren!" Ulrich Schlüter kam es auch so vor. "Das ist das Fatale: Der Gedanke wird nahe gelegt: reißt das ab!" Nur sei das eben keine Lösung.

"Wo sollen die Menschen denn hin? Da ist doch niemand in Schwachhausen bereit, die Menschen aufzunehmen und zu sagen: jetzt integrieren wir mal zwei Blocks Tenevers!"

Bei allem Ärger sei die Sendung für ihn auch ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen, räumt Schlüter ein. "Es reicht nicht, den Leuten Stütze zu zahlen, es genügt nicht, Bäder zu sanieren und Fassaden anzumalen. Wir brauchen mehr aufssuchende Arbeit, ob mit Kirchen oder Institutionen, um die zu erreichen, die in den Wohnungen bleiben. Wie kriegen wir die dazu, das sie teilnehmen am Leben, das in Tenever stattfindet""

Der Beirat Osterholz setzt auf das Streetworkermodell. "Da ist der Träger St. Petri sogar in Vorleistung getreten" sagt der Ortsamtsleiter in der Hoffnung auf Lottomittel. "Die Bescheide kriegen wir erst in anderthalb Jahren."

Ulrich Schlüter überlegt, ob man die Teneveraner nicht am Wohnungseigentum beteiligen könne, genossenschaftlich wie in Bremen-Nord. "Ich fänd es schön, wenn die kleinen Leute sich was ansparen. Miteigentümer kümmern sich ganz anders." Trotz Hartz IV müsse es gelingen, die Menschen die weniger haben ins Boot zu kriegen. "Wir müssen uns fragen: Haben wir da genug überlegt?".

Kleiner Trost am (Stadt)rande: Tenever ist nicht das einzige "Ghetto", das die Reporter von Spiegel- TV in Norddeutschland ausgemacht haben. Am Tag nach dem Beittrag über Bremen lief einer über Lübeck: Hochhausabriss im Stadtteil Bunte Kuh.


 
 
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