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Ein bunter Sommer in Tenever: 10 Wochen gingen viel zu schnell um!

Wenn man mit Theorien der Uni bewaffnet nach Tenever kommt, hat man die heimliche Erwartungshaltung, das bestimmt allerhand passieren würde, was möglicher Weise das Vorurteil „Tenever- das Vorstadtghetto“, wie Spiegel-TV zum Ärger aller schon tönte, bestätigen könnte.
Faszinierender Weise liefen die ersten Tage ganz anders ab. Die Sonne schien, das Rapsfeld blühte und weit und breit freundliche Menschen, die vielleicht etwas mehr Zeit haben, da sie nicht den ganzen Tag arbeiten, sich aber nichts desto trotz nicht frustriert verhielten. Wer sich etwas Zeit nimmt und ins Gespräch mit den Menschen vor Ort kommt, muss unverweigerlich feststellen, dass man offene, freundliche und neugierige Mitbürger vor sich hat. Die Zeit tickt anders in Tenever. Im Gegensatz zur City, findet man hier keine verschlossenen Gesichter die eilig hastend, irgendetwas kauend, aneinander vorbeieilen. Niemand rempelt mich um bei einem hastigen Ausweichmanöver und jeder hat Zeit für ein freundliches Nicken. Verwundert muss ich feststellen, dass viele Menschen glücklich sind in Tenever, über ihre Nachbarn und Freunde die in unmittelbarer Nähe wohnen, über ihren neuen Garten, der den ganzen Sommer trotz Regen blüht, über ihren Arbeitsplatz in Tenever, über die neue sanierte Wohnung, über die vielen Feste, die den ganzen Sommer lang gefeiert werden. Man könnte diese Liste ewig weiterführen. Um objektiv zu bleiben traf ich natürlich auch Menschen die Sorgenfalten auf der Stirn haben.
Fragt man Sie was sie unglücklich macht, findet man jedoch bei den meisten heraus, dass es nicht ihre Nachbarn sind, die Ihnen die Suppe versalzen. Am häufigsten gab es Ärger mit dem Bagis-Wahnsinn, fehlenden Kindergartenplätzen, Kündigungen oder der Botschaft, dass nun umgezogen werden muss.
Ärgernisse also, die jeden Menschen in dieser Situation zur Verzweiflung treiben dürften.
Neben all diesen Eindrücken hatte ich eine Menge Spaß beim Recherchieren und Schreiben über all die Sommerfeste und Aktionen an denen ich teilnehmen durfte. Ich war gern in Tenever und möchte allen, die ich kennen gelernt habe, danken: für ihre Offenheit, für ihre Hilfe für die guten Gespräche und Witze die mich zum Lachen gebracht haben. Schade ist, dass ich die Chance nicht genutzt habe, bei einer Tasse Tee in allen Sprachen „Hallo“ und „Tschüss“ zu lernen.
Ganz besonders dankbar bin ich für die Unterstützung der Mitarbeiterinnen vom Mütterzentrum, die der Präsentation des Kochbuchs mit Kochen und Interviews den richtigen Anstrich verliehen haben. Außerdem habe ich mich bei der Aufgabe eine Pressepräsentation vorzubereiten nicht allein gefühlt.
Es ist schön sich nicht als Einzelkämpfer durchschlagen zu müssen.
Die Erfahrung des MITEINANDERS war wohl die schönste. Ich nehme Sie mit und komme gerne einmal wieder nach Tenever, einem Stadtteil, der viel freundlicher ist als man ihm nachsagt.

20.09.05
Janina Weinhold

 
 
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