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Was ist los in den \"Tenevers von Frankreich\"?1. La Banlieue" (Vorort - direkte Übersetzung: Ort der Verbannten)
Die Vororte wurden vor 20 Jahren als neuer moderner Raum für etwa 40 % der Bevölkerung gebaut. Es gibt soziale Probleme. Etwa 20 % der Menschen in den Vororten ist arbeitslos, bei den Jugendlichen sind es fast 40 %. Die Vororte sind weit von den Stadtzentren entfernt und es gibt schlechte Verkehrsanbindungen.
Die Wohnungen passen nicht zu den Bewohnern: sie sind klein - von der richtigen Größe gibt es nicht genug - andere stehen leer. Viele der Menschen, die in den Stadtteilen wohnen, werden diskriminiert. Das heißt, viele haben kein Wahlrecht und es gibt wenige politische Vertreter/innen dieser Viertel. Es gibt auch keine Stadtteilgruppe, in denen die Sorgen und aktuellen Fragen angesprochen werden können. Probleme werden nicht gehört und nicht gesehen. Es wohnen vor allem Einwandererfamilien in den "banlieues". 20 % von diesen leben unter der Armutsgrenze mit weniger als 600 Euro im Monat. Für junge Leute ist es schwer, Arbeit zu bekommen - viel ist abhängig von Namen und Gesichtern.
Das Problem ist, aus der Sicht Yves Connans, dass die Randale zu einem Integrationsproblem und nicht zu einem Sozialproblem gemacht werden.
2. Warum ist es gerade jetzt zur Randale gekommen?
Der Anlass war, dass zwei 14-jährige auf der Flucht vor der Polizei gestorben sind. Vorher gab es jede Menge Sparmaßnahmen von Politik, die die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verschlechterten. Starke Kürzungen gab es im sozialen Bereich ( 170 Mio. Euro), ABM-Maßnahmen für junge Menschen wurden abgeschafft. Nur bei Bedarf kommt die Polizei von außerhalb in die "banlieues", bekommt aber im Stadteil selbst wenig mit. Der französische Innenminister Sarkozy schüttet zudem noch Öl ins brennende Feuer und macht furchtbare Aussagen: er spricht von "Gesindel" und davon, dass er die französischen Vorstädte von "diesem Gesindel" reinigen möchte.
Die Gewalt der Jugendlichen war eine Gewalt ohne Forderungen, ohne Worte und ohne ein politisch definiertes Ziel.
3. Welche politischen Massnahmen wurden nach den Unruhen in Frankreich ergriffen?
Es gibt in Frankreich Gebiete, in denen Unternehmen keine Steuern zahlen müssen. Diese Gebiete wurden von 40 auf 100 Gebiete aufgestockt. Es soll Anreize für Unternehmen bieten, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Mit dieser Maßnahme konnten 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Es gibt jetzt ein Gesetz nach dem jede Kommune mindestens 20 % Sozialwohnungen anbieten muss. Eine Durchmischung in den Vierteln wird angestrebt, denn es gibt noch Viertel in denen es nur Sozialwohnungen gibt und Viertel, in denen es gar keine gibt.
Die Kürzungen für die sozialen Einrichtungen wurden zurückgenommen.
Einwanderer müssen zwei Jahre in Frankreich leben, bevor die Familie nachgeholt werden darf. Bei Menschen aus Algerien ist die Frist bei vier Jahren. Einige Musikgruppen, zumeist RAP, wurden verboten. Jugendlichen sollen Arbeitsstellen angeboten werden.
Großer Applaus für die ausführliche Schilderung in der Stadtteilgruppe Tenever.
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