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Auftaktkundgebung in Tenever gegen die Nazi-Provokation am 20.01.2007

Dazu passend ein Gedicht von Günther Kunert aus dem Jahre 1950

Über einige Davongekommene

Als der Mensch
Unter den Trümmern
Seines
Bombardierten Hauses
Hervorgezogen wurde,
Schüttelte er sich
Und sagte:
Nie wieder.

Jedenfalls nicht gleich.

Für den Arbeitskreis Tenever als Zusammenschluss von engagierten Menschen, die alles tun, um das soziale Leben und das soziale Zusammenleben zu stärken, ist es eine ungeheure Provokation, dass Kevins Tod demagogisch zum Vorwand genommen wird,
§ um im Trüben zu fischen
§ um rechten Wahlkampf zu machen
§ und vor allem um dunkelste Ressentiments und Vorurteile zu schüren.

Dahinter verbirgt sich ein Menschenbild, das einteilt in bessere und schlechtere Menschen, in hier bei uns in Deutschland „lebenswerte“ / „lebenswürdige“ und eben hier „nicht lebenswürdige“ Menschen.
Es verbirgt sich dahinter Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Spießertum!


Liebe MitbürgerInnen, liebe MitdemonstrantInnen,

Tenever ist ein Integrationsortsteil. Hier gibt es ein gutes Zusammenleben von Menschen aus 88 Nationalitäten.
Wir sind international – und auch deswegen wehren wir uns gegen Nazi-Sprüche, Nazi- Demagogie und Nazi-Gewalt.
So 1999, als uns ganz Bremen half, eine bundesweite Demonstration der NPD von Daimler-Chrysler nach Tenever zu verhindern. Und auch deshalb hat sich der Arbeitskreis und die BewohnerInnen und die ganze Stadtteilgruppe Tenever sofort mit den Wallern und Gröpelingern solidarisiert und am 4.11.2006 geholfen, dass Bremen ein deutliches Zeichen gegen die Nazis gesetzt hat, für Menschenwürde und Demokratie.
Wir sind deshalb heute dankbar, dass ihr hier seid – und wir sind sicher, dass die Nazis kein Gehör finden werden.
Also wir sind guter Dinge in Tenever – aber wir machen uns auch Sorgen:
Denn wir beobachten, dass menschenfeindliche Einstellungen und Haltungen zunehmen.
Fast 70% der Deutschen (siehe Heitmeyer in „Deutsche Zustände; Langzeitstudie), die sich der politischen Mitte zurechnen, sind der Meinung, dass wir „zu viele Ausländer im Land“ haben. Von solcher Meinung ist es nicht mehr allzu weit zur Position, dass Ausländer „nicht würdig sind“ in Deutschland zu bleiben.
Zu solchen Auffassungen kommt es auch, weil mancher Politiker „der Mitte“ solche Positionen auch äußert, nur etwas „höflicher“.

Wir fordern deshalb, gerade mit unseren Integrations-Erfahrungen:

Menschenwürde für alle!
Volles Wahlrecht auch für hier lebende Ausländer!
Humanistisches Bleiberecht für alle Flüchtlinge, die hier ihre neue Heimat finden!

Und wir sehen auch mit großer Sorge die immer stärkere Spaltung unseres Landes und unserer Stadt in Arm und Reich! Die soziale Ungerechtigkeit nimmt zu. Die Reichen werden immer reicher, und die Armen immer mehr. Von ALG II kann man nicht am materiellen und kulturellen Reichtum teilhaben und die Zukunftsaussichten der vielen unter Armutsbedingungen aufwachsenden Kinder (im Ortsteil Tenever jedes zweite Kind) sind schlecht (Chancengleichheit siehe PISA und Gesundheitsanalysen).
Unsere Jugendlichen brauchen qualifizierte Ausbildungsplätze! Und im sozialen Bereich darf nicht gekürzt werden – ja, im Gegenteil: Dieser Bereich sollte deutlich ausgebaut werden für bessere Zukunftschancen – damit würde den rechten Demagogen auch ein wesentlicher Teil ihres Nährbodens entzogen werden.

Liebe TeilnehmerInnen der Kundgebung,
wir wünschen uns und Bremen, dass heute ein deutliches Zeichen gegen die Nazis gesetzt wird. Sie dürfen nicht zur Entfaltung kommen!
Wir werden weiter aufklären, mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn reden und Alternativen und somit Wege aus Unsicherheit und Frust aufzeigen.
Nun aber wollen wir erst einmal eine gute Demonstration durchführen und das auch zum Schutz unseres Klinikums Ost und seines engagierten Personals.
Denn für den Erhalt dieses Krankenhauses haben die OsterholzerInnen und TeneveranerInnen vor zwei Jahren aktiv und erfolgreich gekämpft.
Am Krankenhaus werden wir teilnehmen an der Mahnkundgebung von Geschäftführung und Betriebsrat des Klinikums am „Irrstern“!

Ich wünsche uns viel Erfolg – gemeinsam gegen die Nazis!

 
 
© Stadtteilgruppe Bremen Tenever